Axel Anklam: Inside

Augustusburg

Axel Anklam, Inside, 2015; Courtesy: Axel Anklam, Fhoto: Ernesto Uhlmann

Auf einem verschlungenen Rundrohrrahmen spannt sich ein filigran wirkendes Netz aus Edelstahl, das in die Höhe strebt. Linien überschneiden sich oder driften auseinander, die Flächen wirken gespannt und gleichzeitig locker. Sie erzeugen eine vage, fast richtungslose Gestalt von größter Leichtigkeit. Die transluzide Skulptur „Inside“ (dt. „Innen“ oder „Innenseite“) des 1971 in Wriezen geborenen und 2022 in Berlin verstorbenen Bildhauers Axel Anklam ist eine komplexe Geometrie im Raum, die Harmonien wie Dissonanzen in eine neue Formensprache übersetzt. Anklam beobachtet Kunstformen der Natur – wie Landschaftsräume, Gebirgsformationen, Flügelschläge, Windströmungen oder musikalische Tonfolgen – und überführt sie in abstrakte, synthetische Gebilde. In seinem Werk „Inside“ verschwimmen die Grenzen zwischen Gestalt und Raum, der durch das feine Geflecht hindurch scheint. Die Skulptur ist eine Auseinandersetzung mit der Natur, die diese nicht nachahmt, sondern deren innerste Prinzipien wiedergibt.

Das für Augustusburg ausgewählte Werk stammt aus dem Nachlass des Künstlers. Seine hybride, an eine Rauchsäule erinnernde Form changiert zwischen mineralischen, tierischen, pflanzlichen und menschlichen Zuständen. An ihrem Aufstellungsort am Eingang zum Kurfürstin Anna-Garten mit seinen Pflanzenstauden und historischen Kräuterbeeten verweist die Arbeit auf das Wirken der ersten deutschen Apothekerin, Kurfürstin Anna von Sachsen. Zeit ihres Lebens beschäftigte sie sich intensiv mit der Landwirtschaft, mit Medizin und Pharmazie. Sie verfügte über umfassende Kenntnisse, entwickelte Medikamente, Salben und Aquavite sowie frühe Labor- und Verfahrenstechniken. In engem Kontakt mit Ärzten bildete sie auch junge Mädchen in der Kräuterkunde aus und kümmerte sich mit äußerster Hingabe um ihre Mitmenschen.

(Text: Alexander Ochs / Ulrike Pennewitz)

Axel Anklam
Inside

Material: Edelstahl

Aufgestellt mit Unterstützung der Stadt Augustusburg.

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Adresse:
Schlosstraße 1
09573 Augustusburg

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Augustusburg – Renaissance, Motoren und Visionen

Die Augustusburg thront markant auf einem 516 Meter hohen Quarzporphyr-Kegel am Nordrand des Erzgebirges. Östlich von Chemnitz gelegen, ist es eine weithin sichtbare Landmarke, die wegen ihrer exponierten Lage auch „Krone des Erzgebirges“ genannt wird. Das Jagd- und Lustschloss Augustusburg wurde zwischen 1568 und 1572 im Auftrag von Kurfürst August von Sachsen errichtet.

Der Bau ersetzte die mittelalterliche Burg Schellenberg (11. Jh.), so hieß auch die Ortschaft am Fuße des Schlosses bis 1899. In seiner symmetrischen Gestalt erinnert der vierflügelige Renaissancebau der Augustusburg mit einem quadratischen Innenhof und den vier Turmhäusern an eine Krone – ein Symbol für den Machtanspruch des sächsischen Kurfürsten.

 

Der Kurfürstin-Anna-Garten: Skulptur Inside von Axel Anklam

Unterhalb der Augustusburg, in einer terrassenförmigen Anlage zwischen Schloss und Altstadt, liegt der Kurfürstin-Anna-Garten. Dort steht die Skulptur Inside von Axel Anklam (1971-2022). Dieser Garten wurde 2019 eingeweiht als Hommage an Kurfürstin Anna von Sachsen, der Ehefrau Augusts von Sachsen (1526-1586).

In Beeten wachsen medizinische Kräuter und Küchenkräuter, deren Auswahl auf historischen Aufzeichnungen Annas von Sachsen basiert. Zudem sind alte Obstgehölze gepflanzt worden, ein Tribut an Kurfürst August, der sich intensiv mit Obstbau und Veredelung beschäftigte. Der Garten ist damit eine Art lebendiges Museum für Botanik und die Leidenschaft Annas für Kräuterkunde.

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Kurfürstin Anna von Sachsen (1532–1585) – Wirken und Bedeutung

Anna von Dänemark, spätere Kurfürstin von Sachsen, war eine faszinierende Persönlichkeit: medizinisch interessiert, sozial engagiert und gesellschaftlich einflussreich. Sie war die Tochter von König Christian III. von Dänemark und Dorothea von Sachsen-Lauenburg. 1548 heiratete sie Kurfürst August von Sachsen. Das Paar führte eine sehr stabile Ehe über 37 Jahre, der 15 Kinder entsprangen, von denen aber 11 im frühen Kindesalter verstarben. Es überlebten der spätere Kurfürst Christian (1560-91) sowie seine drei Schwestern Elisabeth (1552-90), Dorothea (1563-87) und Anna (1567-1613). Dargestellt ist die Familie auf dem Tafelbild des Lucas-Cranach-Altars in der Schlosskirche.

Anna widmete sich intensiv der Kräuterkunde und Pharmazie. Sie entwickelte eigene Rezepte, stellte Heilmittel her, etwa Salben, Augenwasser und so genannte „gebrannte Wässer“. Dafür richtete sie an den sächsischen Residenzen Gärten ein, betrieb Labore und Destillationsanlagen. Historiker vermuten, dass dieses Interesse auf Anregungen ihrer Mutter zurückgeht. In Briefen, die überliefert sind, tauschen sich beide regelmäßig über medizinische Themen aus. Sie stand ebenso in Verbindung mit Ärzten ihrer Zeit und war eine Förderin der Ideen des berühmten Arztes Paracelsus.

Politisch gesehen, war Anna nicht nur kurfürstliche Gemahlin: In den 1560er und 1570er Jahren übernahm sie Funktionen in der kurfürstlichen Hausverwaltung und schließlich sogar die wirtschaftliche Leitung der kurfürstlichen Domänen, was ihr beträchtlichen Einfluss in sächsischen Landesangelegenheiten verschaffte. Ihr Wissen und ihre Position nutzte sie, um sich sozial zu engagieren: Sie bildete junge Mädchen in der Kräuterkunde aus, sorgte für Schwangere und Kranke, etablierte einen Unterricht für Hebammen – daher wurde sie im Volksmund „Mutter Anna“ genannt.

Der Freistaat Sachsen verleiht jedes Jahr die Annen-Medaille für ehrenamtliches soziales Engagement. Kurfürstin Anna starb 1585 in Dresden an der Pest und wurde im Freiberger Dom bestattet.

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Das Motorradmuseum auf Schloss Augustusburg

Einen modernen Akzent in der historischen Schlossanlage setzt das Motorradmuseum, gegründet 1961. Auf etwa 1.200 m² werden über 170 Exponate gezeigt, die die Geschichte der Motorisierung des Zweirads dokumentieren – von den Anfängen bis in die Gegenwart. Wichtige Marken aus sächsischer Produktion, wie DKW und MZ aus Zschopau, sind vertreten. Interaktive Elemente machen den Besuch zu einem sinnlichen Erlebnis: Sound-Simulator, Videoclips, historische Unikate. Zudem finden regelmäßig Bikertreffen und Oldtimer-Events statt, etwa das Biker-Schloss Open Air. Gäste kommen dann aus ganz Europa.

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Die dunkle Vergangenheit: Konzentrationslager auf Augustusburg

Direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Schloss von März 1933 bis Dezember 1935 zum Außenlager des KZ Sachsenburg. Im Schloss-Gefängnis waren zunächst 200 sogenannte „Schutzhäftlinge“ untergebracht, hauptsächlich politische Gegner des NS-Regimes. In Zwangsarbeit richteten diese Häftlinge ab Juni 1933 hier die „Gauführerschule Sachsen” der NSDAP ein, ein Ort zur weltanschaulich-ideologischen Ausrichtung des NS-Funktionärpersonals.

1943 und 1944 wurden – aufgrund des Vorrückens der Alliierten – Möbel aus der Reichskanzlei Adolf Hitlers in Räume der Schlossgaststätte und der Gauführerschule eingelagert. Um diese Möbeleinlagerung ranken sich zahlreiche Geschichten und Mythen. Die historische Erinnerung daran wird heute mit Vorträgen und Gedenkarbeit wachgehalten, auch im Rahmen von Veranstaltungen der Kulturhauptstadt 2025 gemeinsam mit Auf weiter Flur e.V. – Verein für Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung.

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Altäre zum Niederknien: Lucas-Cranach-Altar in der Schlosskapelle

Im Herzen des Schlosses befindet sich die Schlosskirche, die ein herausragendes Kunstwerk beherbergt: einen Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586). Das eindrucksvolle Altarbild (1571) zeigt eine detailliert malerisch ausgeführte Kreuzigungsszene mit der betenden kurfürstlichen Familie im Vordergrund – eine seltene Darstellung zeitgenössischer Familien in Renaissance-Kleidung. Kurfürst August hatte den Altar sowie die dazugehörige Kanzel in der Cranach-Werkstatt in Wittenberg in Auftrag gegeben.

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Eine typische Mentalität im Erzgebirge

Innovationen und Traditionsbewusstsein, Offenheit und Zuwanderung sicherten seit jeher das Überleben der Montanregion Erzgebirge. All das zeugt von vielen Transformationen, die weit in die Geschichte zurückreichen und teils bis heute andauern. Die Region war immer in Bewegung. Menschen kamen und gingen mit dem wirtschaftlichen Auf und Ab, entwickelten Handwerk, Technik und Kultur weiter. So ist es bis heute.

Makerhub im Alten Lehngericht: Handwerk trifft Technologie

In der historischen Altstadt von Augustusburg ist das Alte Lehngericht zu finden, das heute als Makerhub der Kulturhauptstadt 2025 fungiert. Es ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und liegt direkt an der Schlossstraße, dem nördlichen Fußweg zur Burg. Der Makerhub mit seiner Textil-, Holz- und Digitalwerkstatt ist ein kreativer Treffpunkt: hier entstehen neue Ideen in Workshops, werden Ausstellungen und kulturelle Programme veranstaltet. Der Makerhub wird auch nach dem Kulturhauptstadtjahr bleiben und damit Teil des Kulturangebots von Augustusburg. Er trägt zur lebendigen Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart bei.

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Soundtrack am Purple Path: Pascal Kaufmann

Ein innovativer Akteur im kulturellen Leben Augustusburgs ist Pascal Kaufmann . Er ist Kirchenmusiker, Dirigent, Festivalveranstalter und Organist in der Stadtkirche St. Petri. 2019 gründete er den Augustusburger Musiksommer und leitet seither die Junge Philharmonie Augustusburg.

Visionär: 360° Klangwelt

Sein visionäres Projekt ist die „360° Klangwelt“, ein europaweit einmaliges Orgelkunstwerk: In der Stadtkirche St. Petri sollen sechs Orgeln an verschiedenen Orten (Empore, hinter dem Altar, Basspfeifen unter den Kirchenbänken) über einen zentralen General-Spieltisch gleichzeitig angesteuert werden. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erleben so in Zukunft ein sphärisches Klangerlebnis aus 4.194 Pfeifen. Regelmäßig informiert Pascal Kaufmann in der Kirche über den Baufortschritt des Projekts.

Himmelwärts: Komposition für den PURPLE PATH

Für den Purple Path komponierte Pascal Kaufmann eigens das klassische Stück „Himmelwärts“. Das 1:19-minütige Werk erklingt aller 20 Minuten in den beiden Wagen der Historischen Drahtseilbahn Augustusburg (seit 1911), wenn sie sich während der achtminütigen Fahrt über 1,2 km und 168 Hm jeweils auf halber Strecke begegnen. Eingespielt wurde die Komposition von 54 Mitgliedern der Jungen Philharmonie Augustusburg.

Die Klanginstallation wird zunächst bis Ende 2026 auf allen Fahrten in den beiden Wagen der Drahtseilbahn zu hören sein und ist damit fester Bestandteil der Werke am PURPLE PATH. 

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Stadt Chemnitz Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Freistaat Sachsen Kulturhauptstadt Europas

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes und durch Bundesmittel des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie durch Mittel der Stadt Chemnitz.