Frank Maibier: Ornamente
Lichtenau
Auf einem quadratischen Grundriss sind acht unterschiedlich hohe und farbige Elemente gleichwinklig versetzt zu einem hohen Turm gestapelt. Die formalen und farblichen Vorbilder für die Skulptur Ornamente dokumentierte der 1959 in Werneuchen bei Berlin geborene und in Chemnitz lebende Künstler Frank Maibier auf Streifzügen durch die acht Ortschaften der Gemeinde Lichtenau. Als skulpturale Hommage an den fröhlichen Stilpluralismus von Gartenzäunen und ihren Besitzerinnen und Besitzern zitiert Maibier mit seiner Skulptur deren Ornamente und lässt sie von einer Schlossermeisterin aus der Gemeinde umsetzen. Maibier, der in seinen Skulpturen, Installationen und Papierarbeiten häufig die Grenzen von Stabilität und Gleichgewicht auslotet, um im konkreten wie im übertragenen Sinne die Prinzipien von Materialgesetzen und Normen zu hinterfragen, widmet seine Skulptur dem ortsverbundenen Lichtenauer Widerstandsgeist gegen die Langeweile von Alltagsgegenständen.
Grundstücksbegrenzungen aus Metallresten gehören zu den heimlichen Markenzeichen privater Alltagskultur in Ostdeutschland und Osteuropa. Sie zeugen vom Einfallsreichtum, den Mangel an Produkten ehemaliger sozialistischer Planwirtschaft durch die Um- und Weiternutzung von Resten, oft aus volkseigenen Betrieben im privaten Bereich zu kompensieren. Mit Fantasie und Geschick wurden aus Stanzbutzen, Moniereisen, Zahnrädern oder Bremsscheiben Gartenzäune mit stilisierten Pflanzenranken, konkret-abstrakten Mustern, Unterwasserszenen oder Blumenbouquets gestaltet. Mit ihrem Formenreichtum können sie sich auch noch heute gegen die mangelnde Ästhetik DIN-genormter Zauneisen aus dem Baumarkt behaupten und ihren Eigensinn selbstbewusst in unsere Gegenwart transportieren.
(Text: Alexander Ochs / Ulrike Pennewitz)
Frank Maibier
Ornamente
In Lichtenau
Material: Stahl, Betonsockel
Aufgestellt mit Unterstützung der Gemeinde Lichtenau.
Adresse:
Chemnitzer Str.
Höhe Gewerbegebiet "Chemnitzer Straße" - gegenüber des Agrarbetriebs Oberlichtenau
09244 Lichtenau
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Am PURPLE PATH gibt es viel zu entdecken! Erlebnistipps präsentiert der Tourismusverband Chemnitz Zwickau Region e.V.
Lichtenau – Neue Blicke, neue Verbindungen
Die Gemeinde Lichtenau liegt zwischen den Flüssen Chemnitz und Zschopau sowie in der Blickachse zweier Landmarken: der Bunten Esse von Daniel Buren in Chemnitz und dem Riesenrad im Sonnenlandpark . Wer auf der Autobahn anreist, kann beides sehen. Der Freizeitpark mit mehreren Erlebniswelten, u.a. dem höchsten Rutschturm Deutschlands, ist zu einem bekannten Markenzeichen Lichtenaus geworden.
Eine neue, dritte Landmarke kam im Mai 2025 hinzu. Im Kulturhauptstadtjahr entstand am Ortsrand von Oberlichtenau, direkt gegenüber dem Gewerbegebiet, Frank Maibiers Kunstwerk Ornamente. Auch von hier aus öffnet sich der direkte Blick über die Landschaft bis zu Burens Bunter Esse in Chemnitz. Die Kunst am Purple Path schafft hier eine ganz neue Verbindung zwischen Stadt und Landgemeinde.
Aus Acht wird Eine: Ortsteile wachsen zusammen
Neue Sichtweisen und Verbindungen eröffneten sich für die hiesigen Einwohnerinnen und Einwohner schon mit der Deutschen Einheit. In den 1990er Jahren begann ein verstärkter Zusammenschluss der Gemeinden in der Region. Lichtenau erwuchs aus acht Ortsteilen, die teils im 12.Jh. gegründet wurden: Auerswalde, Biensdorf, Garnsdorf, Krumbach, Niederlichtenau, Merzdorf, Oberlichtenau und Ottendorf. Was hält sie seither zusammen?
Knapp 7.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind hier zu Hause. Im Jahr 2000 entschieden sich bei einer Befragung 51% der Bürgerschaft für den neuen Gemeindenamen Lichtenau. Gemeinsame Projekte ließen die Menschen zusammenwachsen, wie 2005 das vereinigte Rathaus, 2006 die Eröffnung des Sonnenlandparks oder 2011 Einweihung einer neuen Mittelschule. Gemeinschaft braucht solche Symbole des Aufbruchs. Inzwischen ist durch diese und weitere Initiativen ein festes Band zwischen den Ortsteilen geschmiedet.
Agile Wirtschaft: Über 600 Betriebe in Lichtenau
Ein Grund dafür ist auch, dass sich die Wirtschaft hier in den letzten Jahren gut entwickeln konnte, was die Menschen in der Gemeinde hält: Über 600 Kleinbetriebe und Mittelständler sind hier angesiedelt, schaffen Arbeit und Zusammenhalt. Einer davon ist die Firma Metallbau Raschke im Ortsteil Auerswalde. Das Familienunternehmen wurde 1907 gegründet und wird inzwischen in der 4. Generation von Dorit Thieme geführt.
Über mehr als 100 Jahre entwickelte man sich von der klassischen Schmiede zur Metallbaufirma mit breitem Produktspektrum: Treppen, Carports, Balkone sowie Tore, Geländer, Zäune aus Stahl. Auch aufwändige Rekonstruktionen historischer Schmiedearbeiten werden mit viel Liebe zum Detail realisiert. Beim Aufbau von Frank Maibiers Kunstwerk Ornamente haben Dorit Thieme und ihr Team mitgeholfen.
Von Auerswalde nach Chemnitz: Carl Gottlieb Haubold - Vater des Maschinenbaus
In Auerswalde geboren ist übrigens ein Mann, der die wirtschaftliche Entwicklung der Region mit vielen Pionierleistungen vorantrieb: Carl Gottlieb Haubold (1783-1856). Er wird gemeinhin als Gründervater des Chemnitzer Maschinenbaus bezeichnet. Seine fabrikmäßige Herstellung von Spinnmaschinen für Textilfirmen sowie Reißwölfen und Pressen für die Papierindustrie war der Ursprung der boomenden Industrialisierung im 19. Jh. und damit des heutigen Maschinenbau-Clusters in Chemnitz.
Aus der Tiefe des Erzgebirges: Mildes Mineralwasser
Eine weitere unternehmerische Erfolgsgeschichte schreiben seit 1990 die Lichtenauer Mineralquellen. Mehr als 200 Mitarbeitende produzieren täglich rund 700.000 Flaschen erfrischende Mineralwasser, Schorlen, Limonaden und Fitnessgetränke. Ob bei Kulturevents oder Sportveranstaltungen in der Region: Überall wird hier der Durst mit Lichtenauer gelöscht. Das Unternehmen engagierte sich auch als Sponsor und Partner der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025.
Altäre zum Niederknien: St. Ursula Auerswalde
Auerswalde zählt zu den ältesten Ortsteilen der Gemeinde Lichtenau. Bis ins 12. Jh. reichen die Zeugnisse zurück. Dazu zählt auch die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde St. Ursula, 1186 erstmals urkundlich erwähnt.
Einst wurde das Gotteshaus im Stil der Romanik errichtet, allerdings sind davon aufgrund der Umbauten im 18. und 19. Jh. nur wenige Spuren erhalten, z.B. der große Triumphbogen aus Rochlitzer Porphyr zwischen Saal und Chorraum sowie die aufwendige Gliederung der Apsis hinter dem Altar. Vermutet wird ein architektonischer Einfluss der Bauhütte der Wechselburger Stiftskirche.
Bemerkenswert ist der spätgotische Schnitzaltar. Er entstand um das Jahr 1503 und ist ein Werk aus der Werkstatt von Peter und Jakob Naumann, den Hauptmeistern der Altenburger Werkstatt. Im Mittelschrein steht eine Figur der Maria mit Strahlenkranz. Ihr zur Seite gestellt sind die Heiligen Margaretha und Barbara. In der Predella ist eine Darstellung der Verkündigung Mariä zu sehen, die durch Altarflügel, die im Stile Lucas Cranachs bemalt sind, verschlossen werden kann.
Der Sound des Purple Path: Jehmlich-Orgel in St. Ursula Auerswalde
Interessant, sehens- und hörenswert ist in der Auerswalder Kirche St. Ursula das Instrument der sächsischen Orgelmanufaktur Jehmlich von 1907. Jehmlich Orgelbau hinterließ über mehr als 200 Jahre in ganz Sachsen seine musikhandwerklichen Spuren. 1808 begründeten die Brüder Gotthelf Friedrich, Johann Gotthold und Carl Gottlieb die Orgelbautradition der Familie im erzgebirgischen Cämmerswalde. Seit 2006 führt Ralf Jehmlich das Unternehmen in 6.Generation in Dresden. Damit ist Jehmlich Orgelbau die älteste, noch bestehende Orgelbauermanufaktur der Welt.
Eine typische Mentalität in Mittelsachsen
Innovationen und Traditionsbewusstsein, Offenheit und Zuwanderung sicherten seit jeher das Überleben in Mittelsachsen. All das zeugt von vielen Transformationsprozessen, die weit in die Geschichte zurückreichen und teils bis heute andauern. Die Region war immer in Bewegung. Menschen kamen und gingen mit dem wirtschaftlichen Auf und Ab, erfanden sich kulturell neu und entwickelten Handwerk und Technik weiter. So ist es bis heute.
Alte Räume, neues Leben: Vom Schulhaus zum Werkraum Lichtenau
Der wirtschaftliche Wandel seit 1990 ist allgegenwärtig in Lichtenau – und dauert immer noch an. Um diesen erfolgreich zu gestalten, braucht es geschickte Hände und kluge Köpfe. Derer gibt es viele in Lichtenau, zum Beispiel im Werkraum Lichtenau. Aus einem alten Schulgebäude entwickelten Handwerkerinnen und Handwerker ein kreatives Atelierhaus. Die Geschichte des Hauses reicht sogar vor die Zeit als Schule zurück, denn ursprünglich arbeitete hier ein Textilbetrieb.
Inzwischen entstehen hier wieder kreative Produkte. Neu fanden sich hier die Lederwerkstatt von Ulrich Czerny, die Handbuchdruckerei von Birgit Reichert und die Gitarrenwerkstatt von Florian Schwarze zusammen. Als Vierte im Bunde kam Jana Schrammel mit ihrer Praxis für Therapeutische Seelsorge hinzu. Bei der Event-Reihe „Mashup“ öffnen die vier Lichtenauer ihre Werkräume für andere Kreative und Gäste.
Gemeinschaft auf Rädern: Christliche Motorradfahrer Sachsen e.V.
Drehfreudig, antriebsstark, engagiert: So ließen sich die Christlichen Motorradfahrer mit drei Worten umschreiben, die immer wieder auf dem Pfarrhof in Lichtenau-Auerswalde zusammenfinden. Der gemeinnützige Verein mit Sitz im nahen Flöha (LINK: Thema Flöha) zählt 250 Mitglieder und wurde 2003 gegründet. Ziel ist zuvörderst die Verbreitung der frohen Botschaft Jesu Christi, doch das Vereinsleben reicht weit darüber hinaus. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, etwa bei Motorrad-Gottesdiensten, gemeinsamen Ausfahrten und Motorradfreizeiten in ganz Sachsen. Zudem unterstützen die Biker auch Hilfstransporte, Veranstaltungen und Seminare zur Weiterbildung.