Redford architectural fabrics: Braided Journey
Annaberg-Buchholz
Obwohl spezifisch für den Ort geschaffen, steht die großformatige Skulptur „Braided Journey“ (dt. Geflochtene Reise) wie absichtslos und im ersten Moment vielleicht nicht als Kunstwerk zu erkennen am Unteren Bahnhof in Buchholz. Das von der niederländischen Künstler- und Designergruppe Redfort architectural fabrics geschaffene Werk spielt mit der Idee einer skulpturalen Zeichnung im Raum, aber auch der einer für einen Bahnhof üblichen Bahnsteig-Überdachung. Vier jeweils 3,90 x 2,90 Meter große, aus mit weißem Kunststoff beschichtetem Stahldraht gefertigte Geflechte sind zwischen acht jeweils vier Meter hohe Säulen aus Stahl gespannt.
Rhythmisch aneinandergereihte florale Elemente erinnern an Spitzen und Borten, assoziieren das in Annaberg-Buchholz besonders relevante Kunsthandwerk des Klöppelns und versetzen den Betrachter so auf eine Reise, die mit der im 16. Jahrhundert lebenden Montanunternehmerin Barbara Uthmann ihren Anfang nimmt. Uthmann übernahm nach dem frühen Tod ihres Mannes die Leitung der Silberbergwerke und betrieb (bis zu ihrer faktischen Enteignung durch Kurfürst August von Sachsen im Jahr 1567) die Saigerhütte in Grünthal. Um 1560 führte sie die Produktion und den Betrieb von Borten, Spitzen und Posamenten ein und brachte zeitweise bis zu 900 Frauen in Heimarbeit. In unmittelbarer Nachbarschaft des Unteren Bahnhofs findet sich mit dem Frohnauer Hammer, einem 1621 eingerichteten Silber- und Erz-Pochwerk, das älteste Industrie-Denkmal Sachsens. Der Untere Bahnhof wurde 1866 als Teil der damals wirtschaftlich wichtigen Eisenbahnstrecke zwischen Zwickau und Chemnitz eröffnet, in DDR-Zeiten wurde die Strecke auch von der Uran produzierenden SDAG Wismut genutzt. Im Jahr 1997 wurde der Schienenverkehr zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg eingestellt, 2021 wurde von der TU Chemnitz der Smart Rail Connectivity Campus (SRCC) eröffnet, in dem zur Zukunft der Bahn geforscht wird. So könnte „Braided Journey“ dem Publikum auch einen Blick auf eine mehr als 460-jährige Reise durch die Ökonomie des Erzgebirges freigeben.
(Text: Alexander Ochs)
Redfort architectural fabrics
Braided Journey
Material: Stahl, pulverbeschichtet
Aufgestellt mit Unterstützung der Stadt Annaberg-Buchholz.
Adresse:
Unterer Bahnhof
09456 Annaberg-Buchholz
zum Standort auf Google Maps
Annaberg-Buchholz – Einfallsreichtum über und unter Tage
Architektonisch vielfältig ist Annaberg-Buchholz, die erste geplante Bergstadt, die direkt über den Silbergruben errichtet wurde. Ihre Stadtgeografie und Baudenkmäler reichen von Renaissance bis Gründerzeit, wenn Gäste ihren Blick in der Altstadt schweifen lassen. Im 16. Jh. entwickelte sich Annaberg (Herzogtum Sachsen – Albertiner Linie) zu einem der Zentren des Silberbergbaus und war nach Freiberg die zweitgrößte Bergstadt. Buchholz war damals noch eine eigenständige Stadt und gehörte zum Kurfürstentum Sachsen (Ernestiner Linie).
Die Stadt ist über Tage und auch unter Tage ein großes Erlebnis: Im Silberbergwerk „Im Gößner“, direkt unter der Altstadt, macht man einen Ausflug ins frühe 16. Jh. Zu jener Zeit veröffentliche der Bergbeamte und Schreiber Adam Ries hier das erste Rechenbuch in deutscher Sprache und mit arabischen Zahlen. Dies erleichterte die Buchführung sowie Verwaltung enorm und machte europaweit Schule.
Außergewöhnlich ist die Geschichte der Unternehmerin und Wohltäterin Barbara Uthmann, die nach dem Tod ihres Mannes 1553 die familieneigenen Bergwerke und einen Hüttenbetrieb weiterführte. Mit den finanziellen Gewinnen etablierte sie mit der Borten- und Spitzenfertigung einen neuen Zweig des Textilgewerbes im Erzgebirge. Über 900 Frauen konnten so in Heimarbeit ihr Einkommen aufbessern. Das Kunstwerk „Braided Journey“ von Redfort architectural fabrics am Bahnhofsplatz 1 erinnert an diese Tradition.
Weithin sichtbar thront die St. Annen Kirche, benannt nach der Schutzheiligen der Bergleute. Die spätgotische Hallenkirche (geweiht 1519) mit ihrem grazilen Schlingrippengewölbe ist das Symbol für die Bergbaukultur schlechthin. Auf dem Bergaltar sehen Gäste die älteste Kunstdarstellung des sächsischen Bergbaus aus der Reformationszeit. Damals entstand aus einem Kirchweihwest nach Pfingsten auch die „Annaberger Kät“, seit 1520 eines der ältesten Volksfeste Deutschlands.
Mehr Informationen erhalten Sie im Welterbe Besucherzentrum Annaberg-Buchholz
Erzbergbaulandschaften: Silber, Zinn, Kobalt, Uran, Eisen
Silber, Zinn, Kobalt, Uran und Eisen repräsentieren die fünf Erzbergbaulandschaften, welche das UNESCO Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří charakterisieren. Jede ermöglicht Gästen einen Einblick in Abbau und Verarbeitung in einzelnen Epochen und veranschaulicht die Bedeutung aus globaler Sicht.
Besucherbergwerk Markus-Röhling-Stolln: Silber-, Kobalt- und Uran-Bergbau
Dank des Vereins „Altbergbau Markus-Röhling-Stolln e.V.“ können Gäste in Annaberg-Buchholz ein großes Grubenrevier erleben. 600 Meter lang ist die Fahrt mit der Grubenbahn. Zu sehen sind eindrucksvolle Zeugnisse des Silber- und Kobaltbergbaus (1733 bis 1857) und des Uranbergbaus der SAG Wismut (nach 1945) besichtigen. Das neun Meter große „Kunstrad“, eine rekonstruierte Wasserkraftanlage, demonstriert die technischen Innovationen zur Förderung von Erz in großen Tiefen. Seit 6. Juli 2019 ist der „Markus-Röhling-Stolln“ Bestandteil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Museum Frohnauer Hammer: 1. Technisches Denkmal Deutschlands
Die intelligente Nutzbarmachung der Wasserkraft verbesserte nicht nur die Förderung der Erze aus großen Tiefen, sondern auch die effiziente Verarbeitung zu Metallwerkstoffen und -produkten. Schmiedehammerwerke sind im Erzgebirge mancherorts noch in Funktion zu erleben, etwa im „Frohnauer Hammer“ (17.Jh.) bei Annaberg-Buchholz. Es ist das älteste geschützte technische Denkmal Sachsens (seit 1907) und das älteste Schmiedemuseum Deutschlands (seit 1910).
Altäre zum Niederknien: Der Bergaltar in St. Annen von Hans Hesse (1521/22)
Auf dem Bergaltar von St. Annen (geweiht 1519) in der Bergstadt Annaberg-Buchholz sehen Besucher*innen auf der Rückseite die älteste Kunstdarstellung des sächsischen Bergbaus aus der Reformationszeit. Das Gemälde schuf Hans Hesse und ist das Symbol für die Bergbaukultur schlechthin.
Es erzählt von der Legende des Daniel Knappe, der das erste Silber in Annaberg fand. Er träumte des Nachts von einem Engel, der ihm eine Stelle am Fuße des Schreckenberges wies, wo er Silber finden würde. Und so geschah es wohl der Sage nach. Fortan, so die Legende weiter es, hießen zu Ehren von Daniel alle arbeitenden Bergleute Knappen.
Die Darstellung der Arbeitswelt der Bergleute im religiösen Kontext war damals neu in der Kunstgeschichte, auch die motivische Aufnahme von Volkssagen. Bemerkenswert sind die Differenzierung der Bildbereiche nach Arbeitsgängen und Berufsgruppen sowie die erstmalige Darstellung der Frauen als Bergarbeiterinnen. Frauen sind auf dem Hesse-Gemälde zweimal in der Rolle als Erzwäscherinnen abgebildet.
Der Bergaltar ist damit sowohl ein einzigartiges Zeugnis der Sozialgeschichte als auch einer neuen Frömmigkeit: Er wurde von Bergleuten in Auftrag gegeben, von Bergleuten selbst mit dem sogenannten „Wochenpfennig“ finanziert und für die Gemeinschaft der Bergleute geschaffen. Auf der Vorderseite zeigt der geschnitzte Bergaltar traditionelle Szenen aus dem Leben Marias. Er ist klappbar und zeigt Darstellungen entsprechend dem Kirchenjahr.
Eine weitere Bergmannsdarstellung findet sich auf der Rückseite der Kanzel: Am Kanzelaufgang ist ein Bergmann zu sehen, der auf seinem Arschleder sitzt und mit Eisen und Schlägel das Gestein im Bergwerk auf der Suche nach Silbererz bearbeitet. Es mag in diesem Kontext auch ein Symbol für die Suche nach dem geistigen Schatz, dem Wort Gottes, sein.
„Schöne Tür“ von Hans Witten in der St. Annen Kirche
Mit den Initialen „HW“ ist die „Schöne Tür“ versehen, die man dem Meister Hans Witten zuschreibt. Über der Tür dargestellt sind Gott Vater, Jesus und der Heilige Geist, angebetet von einem Engelschor. Datiert wird das Kunstwerk auf das Jahr 1512. Es stammt ursprünglich aus einem Annaberger Kloster, das in der Reformationszeit aufgelöst wurde. 1577 wurde die „Schöne Tür“ in die St. Annen Kirche umgesetzt. Der Annaberger Taufstein stammt ebenfalls von Hans Witten (1521) und stammt aus dem ehemaligen Kloster Chemnitz.
Kirche der Bergknappschaft: St. Marien
Am Marktplatz errichteten die Annaberger Bergleute im Jahre 1502 ihre Bergkirche St. Marien. Finanziert aus den "Wochenpfennigen" der Bergknappschaft, wurden hier von 1511 bis 1863 ausschließlich bergmännische Andachten gehalten. Nach der denkmalgerechten Sanierung 2004 und 2005 wurde das Gotteshaus zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut.
Berggottesdienste der Bergknappschaft und Brüderschaft finden auch heute noch am 2. Samstag im Januar statt. Sehenswert sind die geschnitzten Großfiguren der bergmännischen Weihnachtskrippe. Als einmaliger Zeuge Jahrhunderte währender erzgebirgischer Frömmigkeit ist auch St. Marien seit 2019 ein Objekt des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Innovationen in der Montanregion Erzgebirge: Neu rechnen lernen. Neue Arbeit geben.
Bergbau war für die Menschen über Jahrhunderte hinweg immer Segen und Fluch zugleich. Boten die Erzadern reiche Silbermengen, kamen die Leute in Lohn und Brot. Die Bergstädte wuchsen, die vermögende Bürgerschaft förderte Kultur und Bildung. Ging die Ausbeute zurück, war kreatives Umdenken gefragt, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die Biografie eines Annaberger Bergbeamten und einer Unternehmerin spiegeln diese Entwicklungen.
Rechenmeister sichert Brotpreise: Adam Ries (1492-1553)
Bald nach Gründung der Freien Bergstadt Annaberg (1497) etablierte sich ein leistungsfähiges Schulwesen. Der aufstrebende Bergbau und sein verarbeitendes Gewerbe brauchten – heute würde man sagen – Fachkräfte. Vom „Berggeschrey“ angelockt, kam 1522 Adam Ries aus Staffelstein in Franken nach Annaberg. Seine Jugend und Ausbildung sind in den historischen Quellen nicht greifbar. Bekannt ist, dass der ein Talent für Mathematik besaß und daher in der Annaberger Bergverwaltung Anstellung fand.
Dort kümmerte er sich um die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln. Fast alles musste damals aus der näheren und weiteren Umgebung des Erzgebirgsvorlandes eingeführt werden. Um sozialen Frieden und Ausgleich in der Bürgerschaft zu erhalten, konzipierte er die „Annaberger Brotordnung“ (1533), in der Preise geregelt wurden. Mit genormten Brotgrößen und Preisen gelang die Abfederung schwankender Getreidepreise. Nachahmung fand das in den Städten Hof, Joachimsthal (heute: Jachymov), Leipzig und Zwickau.
Seine Erfahrungen aus der Bergverwaltung hatten nachhaltige Wirkungen auf das Schulwesen. Ries wandte ein neues, auf arabischen Zahlen fußendes Zehnerrechensystem erstmals im Unterricht an. Dazu gab er auch drei Rechenbücher in deutscher Sprache heraus, die sich weit verbreiteten. Das erste Buch (1518) befasste sich speziell mit dem Erlernen des Rechenbrettes für Kinder. Im zweiten Buch (1522) erläuterte er das Rechnen mit arabischen Zahlen, ein Bestseller, der 120 Auflagen erlebte. Angewandtes Rechnen demonstrierte er im dritten Buch (1550) mit vielen Beispielen, z.B. der Berechnung des Inhaltes von Fässern.
1525 kaufte Adam Ries ein Haus in der Johannisgasse 23. Heute ist das Adam-Ries-Haus ein Museum und dokumentiert diese spannende Geschichte des neuen Rechnens – übrigens auch zum Mitmachen. Das denkmalgeschützte Museumsgebäude ist ein Objekt der Bergbaulandschaft Annaberg-Frohnau und gehört zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Unternehmerin von europäischem Rang: Barbara Uthmann (1514-1575)
Kaum ein Name steht mehr für das wirtschaftliche Wohlergehen von Annaberg-Buchholz im 16. Jh. als der von Barbara Uthmann. Sie war eine begüterte „Fundgrübnerin“, d.h. Bergwerkseigentümerin in Annaberg, Buchholz, Schneeberg (Kupfer) und Ehrenfriedersdorf, Marienberg (Silber). Zudem betrieb sie sehr erfolgreich die Saigerhütte in Grünthal, heute Olbernhau, einen Hüttenbetrieb, der große Mengen an Kupfer und Silber gewann. Wohl noch nie zuvor stand eine Frau einem solch großen Montanimperium vor.
Geerbt hatte sie das Unternehmen von ihrem Mann, der 1553 gestorben war. Diese außergewöhnliche Frau schaffte es gemeinsam mit ihren Söhnen, sich der Intrigen ihrer männlichen Konkurrenz zu erwehren. Dabei stand sie all die Jahre, gemäß damaligem Stadtrecht, unter männlicher Vormundschaft von Oberstadtschreiber Georg Kraus (bis 1567) und Ratsherr Johann Kluge. Der sächsische Kurfürst August nutzte die Intrigen im harten Wettbewerb für seine Interessen aus und entzog Barbara Uthmann 1553 ihr Kupferprivileg. 1567 musste sie die Saigerhütte an den Kurfürsten zwangsweise verkaufen.
Neues Handwerk: Klöppeln als Erwerb für Bergmannsfrauen
Als clevere Geschäftsfrau investierte Uthmann ihr Vermögen in den 1570er Jahren verstärkt in ein neues Produktions- und Vertriebskonzept für Textilwaren, das sogenannte Verlagssystem. Sie habe, so berichtet eine Quelle, 900 Frauen beschäftigt, die in Heimarbeit textile Borten, Spitzen und kunstvolle Klöppelwaren fertigten. Das bot nicht zuletzt für manche Bergmannswitwe eine neue soziale Sicherheit. Für Barbara Uthmann minimierte das kleinteilige Verlagsgeschäft das unternehmerische Risiko als Frau. Ihre kaufmännischen Fähigkeiten müssen exzellent gewesen sein. Als Kind soll sie begeistert die Rechenschule von Adam Ries besucht haben.
Das Klöppeln als Handwerk kam ursprünglich wohl aus Brabant (Belgien), Venedig und der Schweiz nach Deutschland. Um 1550 sprechen die Quellen von der Fertigung in Annaberg durch Familie Uthmann und andere Familien. Feine Borten für die Zier der Kleider wurden bereits um 1530 produziert, wobei das Handelsmonopol bei schottischen Kaufleuten lag. Die Uthmanns erlangten den Status eines kurfürstlichen Hoflieferanten.
Annaberg – Zentrum des Klöppelns
Barbara Uthmann verkörpert die erzgebirgische Mentalität von Hartnäckigkeit und Einfallsreichtum, Geschäftssinn und sozialer Verantwortung, regionaler Verwurzelung und internationaler Vernetzung in exemplarischer Weise. Über 300 Jahre blieb Annaberg das erzgebirgische Zentrum für Klöppelwaren. Barbara Uthmann zu Ehren steht auf dem Annaberger Marktplatz ein Brunnen mit einer Bronzeskulptur des Dresdner Bildhauers Robert Henze (1886). Im kulturellen Gedächtnis der Region ist sie bis heute eine zentrale Figur. Auch das Kunstwerk „Braided Journey“ von Redfort architectural fabrics am Bahnhofsplatz 1 erinnert an diese Tradition.
Zukunft machen: Eine typische Mentalität im Erzgebirge
Innovationen und Traditionsbewusstsein, Offenheit und Zuwanderung sicherten seit jeher das Überleben der Montanregion Erzgebirge. All das zeugt von vielen Transformationen, die weit in die Geschichte zurückreichen und teils bis heute andauern. Die Region war immer in Bewegung. Menschen kamen und gingen mit dem wirtschaftlichen Auf und Ab, erfanden sich kulturell neu und entwickelten Handwerk und Technik weiter. So ist es bis heute.
Mobilität der Zukunft: Sören Claus forscht am Smart Rail Connectivity Campus
Mitte des 19. Jhs. wurde Annaberg-Buchholz an das sächsische Eisenbahnnetz angeschlossen. Das gab der Industrialisierung der Region einen gewaltigen Schub. Die Transformation zu Metallverarbeitung und Textilindustrie kompensierte den zurückgehenden Bergbau. Auch heute in Zeiten des Klimawandels sind Innovationen gefragt. Neue Mobilitätskonzepte spielen dabei eine zentrale Rolle.
Das Projekt „Smart Rail Connectivity Campus“ am Unteren Bahnhof in Annaberg-Buchholz entwickelt intelligente Lösungen für den Bahnverkehr: automatisiertes Fahren und intelligent vernetzte Systeme in der Bahntechnik und bei Antrieben. Für Testfahrten wird die Strecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg genutzt. Das Gemeinschaftsvorhaben steht unter der Federführung der Stadt Annaberg-Buchholz und der Technischen Universität Chemnitz. Es wird unterstützt durch den Freistaat Sachsen und die DB RegioNetz Verkehrs GmbH/Infrastruktur GmbH Erzgebirgsbahn. Hier am Bahnhofsplatz 1 steht auch das Purple-Path-Kunstwerk „Braided Journey“ von Redfort architectural fabrics.
Inklusions-Hotel: Teilhaben ermöglichen mit Anna und Sascha e.V.
Vereinsvorsitzende Katja Seifert und ihre Mitstreiter engagieren sich seit 2016 für die Verwirklichung eines sozialen Projektes in Annaberg-Buchholz: das Inklusionshotel. Menschen mit und ohne Handicap sollen dort zukünftig zusammen Ideen entwickeln, arbeiten und Gemeinschaft leben. 2017 kaufte der Verein am „Buchholzer Tor“ ein altes Haus und sanierte es. Im August 2025 wurde das Inklusionshotel eröffnet.
Inspiriert wurde das Vorhaben von der Lebensgeschichte eines Jungen aus St.Petersburg. Sascha ist 1995 dort geboren. Die Ärzte diagnostizierten bei ihm das Down-Syndrom. Der Junge kam in ein Kinderheim. Dort traf ihn Katja Seifert, deren Bruder sich über den Verein „Perspektiven“ e.V. in Russland sozial engagierte. Das Schicksal des Jungen ließ sie nicht mehr los. Ihnen gelang es in beharrlicher Auseinandersetzung mit der russischen und deutschen Bürokratie, Sascha nach Deutschland zu holen. Hier konnte er medizinisch besser betreut werden und in einem familiären Umfeld aufwachsen.
Jeder Mensch ist wertvoll
Diese Maxime ist einer der zentralen Werte der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 und steht auch für das Engagement beim Anna und Sascha e.V. Im Jahre 2022 nahm sich die in Berlin lebenden Bildhauerin Christina Doll dieses Themas an. Sie interpretierte das bekannte erzgebirgische Figurenmotiv „Engel und Bergmann“ für den PURPLE PATH ganz neu. Ihr Engel stellt eine junge Frau mit Trisomie 21 dar. Die Figurengruppe präsentiert die Bergbautradition um Engel und Bergmann mit dem Inklusionsgedanken.
Studienraum des Künstlers: Schrift- und Ton-Avantgardist Carlfriedrich Claus (1930-1998)
Carlfriedrich Claus wurde in Annaberg geboren und gilt heute als einer der wichtigsten Künstler der DDR. Sein künstlerisches Schaffen gilt als avantgardistisch und umfasst Schriftgrafik, visuelle und konkrete Poesie sowie Lautpoesie. Früh interessierte er sich für Sprachen aus aller Welt, die seinen experimentellen Umgang mit Typografie und Ton inspirierten. Das Gesamtwerk - inzwischen geschütztes Kulturgut des Landes Sachsen -umfasst mehrere hundert Tonbandkassetten mit Artikulationen, Sprachblättern, Handzeichnungen, Büchern, Druckgrafiken sowie tausende Briefe und Fotos.
1977 gründete er zusammen mit Michael Morgner, Thomas Ranft, Dagmar Ranft-Schinke und Gregor-Torsten Schade die Künstlergruppe und Produzentengalerie CLARA MOSCH (1977–1982) in Adelsberg, einem Stadtteil von Karl-Marx-Stadt/Chemnitz. Im offiziellen Kunstbetrieb der DDR fand ihre Kunst keine Beachtung und keinen Platz. Mit ihren Aktionen erregen sie nicht nur Aufmerksamkeit in der Kunstszene, sondern auch bei der Staatssicherheit. Sie werden bespitzelt, doch alle Drohungen und Einschüchterungen können die unendliche und teilweise subversive Kreativität nicht bremsen.
Studienraum im Gloria Filmpalast Annaberg-Buchholz
Der Förderverein Carlfriedrich Claus – Lebens- und Arbeitsort in Annaberg-Buchholz e.V. renovierte seine Wohnung in der Johannisgasse und eröffnete dort einen Studienraum und ein Begegnungszentrum. Die Räume befinden sich im Hinterhaus unter dem Annaberger Gloria Filmpalast.
Kunstkeller Annaberg e.V.: Der Künstler Jörg Seifert (*1968)
Der Verein um seinen Vorsitzenden Jörg Seifert sieht sich als Vermittler und Förderer zeitgenössischer Kunst und Kultur. Dabei sind die Ausstellungen, Lesungen und Gespräche im Kunstkeller aber nicht etwa allein auf Annaberger oder erzgebirgische Künstler fokussiert, sondern man orientiert sich bewusst deutschlandweit und international.
Jörg Seifert wurde 1968 in Annaberg geboren. Von 1991 bis 1993 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden die Fachrichtung Bühnenbild. In den Beruf startet er als Sachbearbeiter, blieb aber nebenberuflich der Malerei, Grafik und Plastik verbunden. Seit 1998 leitet er ehrenamtlich den Kunstkeller. Er engagiert sich seit 2004 auch im Vorstand des Fördervereins Carlfriedrich Claus – Lebens- und Arbeitsort in Annaberg Buchholz e.V. Seit 2006 ist er freiberuflich als Künstler und im Kunsthandel tätig.
Im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 ist Jörg Seifert einer der Initiatoren des Kunstprojektes “Annaberger Impuls” am PURPLE PATH.
Manufaktur der Träume: Die Sammlerin Erika Pohl-Ströher (1919-2016)
Die „Manufaktur der Träume“ in Annaberg-Buchholz ist das Erlebnismuseum für historisches Spielzeug in der Region. Über 1.500 Exponate aus der Hochzeit der erzgebirgischen Holzspielzeugfertigung (1890-1930) sind zu sehen.
Vom 26.04. bis 03.08.2025 war hier die Ausstellung „Junge Kunst am PURPLE PATH“. Am Beispiel der Sammlung in der Manufaktur der Träume setzten sich die Schüler des Leistungskurses Klasse 12 der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge mit traditionellen Vorlagen erzgebirgischer Kultur auseinander. Sie präsentierten erfrischend neue Sichtweisen auf althergebrachte Muster und Ikonen erzgebirgischer Volkskunst.
Sammeln für die Nachwelt
Zusammengetragen hat die einmalige Sammlung Erika Pohl-Ströher. Ihre große Sammelleidenschaft entwickelte sich aus Liebe zu ihrer Heimat und in Erinnerung an ihre Großeltern Franz und Marie Ströher. Diese gründeten 1880 in Rothenkrichen/Vogtland die Firma Wella, heute ein weltweit führender Kosmetikkonzern. Bereits im 17. Jh. wanderte die Familie von Böhmen nach Sachsen ein. 1945 musste die Familie ihre vogtländisch-erzgebirgische Heimat verlassen, da in einigen ihrer Fabriken Rüstungsgüter hergestellt und Zwangsarbeiter beschäftigt wurden.
Erika Pohl-Ströher lebte in der Bundesrepublik und in der Schweiz. Bis 2003 hielt sie 23% Aktienanteile an der Wella AG in Darmstadt, die sie dann für 818 Mio. Euro verkaufte. Ihre Sammlungen, zu der neben dem Holzspielzeug auch Volkskunst sowie 80.000 Mineralien aus aller Welt gehören, stiftete sie als Dauerleihgabe der „Manufaktur der Träume“ und der Ausstellung „Terra mineralia“ in Freiberg.