James Turrell: Beyond Horizons 2025

Oelsnitz

James Turrell, Beyond Horizons 2025, 2025; Courtesy: Häusler Contemporary Zürich AG, Foto: Florian Holzherr

Der 1943 in Los Angeles geborene „Bildhauer des Lichts“ James Turrell löste mit dem Prinzip des bildgleichen Nichts das Paradigma des physischen Kunstwerks auf. Inspiriert vom hellen Sonnenlicht und den Farben der Küstenlandschaft Kaliforniens fand der Künstler schon in den 1960er Jahren zu seinem atmosphärischen Ansatz des „Light-and-Space“-Minimalismus. Absicht des Künstlers war es, eine Kunst zu schaffen, welche die gesamte Situation, einschließlich des umgebenden Raums und des Körpers der Betrachtenden als integrale Bestandteile, als „Eins“ sieht. In den 1980er Jahren erweiterte Turrell seine Prinzipien mit seinen berühmt gewordenen „Ganzfeldern“ so radikal, dass nicht nur die Notwendigkeit eines physischen Objekts, sondern auch die des perspektivischen Raums ausgeschaltet wurde. Anstelle zu betrachtender Kunstobjekte wurden die Wahrnehmungsprinzipien von Licht und Farbe selbst zum Hauptthema seiner Werke. In den so geschaffenen Feldern farbigen Lichts entstanden hierarchie- und richtungslose Situationen, die alles zu nivellieren scheinen und die Erfahrung emotionaler Qualitäten von Licht, Raum und Zeit zu einem Kontinuum verschränkten. 

Dies erinnert an die romantische Vision eines „Wegs zu sich selbst“, wie sie der Freiberger Bergakademist und Dichter Novalis in einer Verbindung von Wissenschaft und Poesie formulierte. 1798 veröffentlichte er seinen pantheistisch-philosophischen Text des magischen Idealismus „Blüthenstaub” in der Zeitschrift „Athenäum” und formulierte die romantische Losung: „Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg. In uns, oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten, die Vergangenheit und Zukunft.“ 

Das Oelsnitzer Ganzfeld „Beyond Horizons 2025“ (dt.: Jenseits der Horizonte) besteht aus einer Abfolge von zwölf Farbräumen, die sich jeweils in einem Stroboskop-Gewitter auflösen und so Grenzbereiche der Wahrnehmung sprengen. Turrells Licht-Raum ist in eine äußere Hülle aus Cortenstahl integriert, die vom restaurierten und in einem kräftigen Grünton gestrichenen Stahlgerüst der ehemaligen Schmiede des Oelsnitzer Bergbaubetriebs umgeben ist. Die vom regional agierenden Büro H2 ARCHITEKTUR by hendrik heine transformierte, dreischiffig angelegte Industrie-Architektur wird im Zusammenspiel mit Turrells „Beyond Horizons 2025“ zu einer radikal neuen Interpretation von Denkmalschutz und somit zu einem vieldeutigen Gesamtkunstwerk. 

(Text: Alexander Ochs / Ulrike Pennewitz)

James Turrell
Beyond Horizons 2025
aus der Werkserie Ganzfeld

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Zutritt nur nach vorheriger Ticketbuchung:

Ticket buchen

 

  • Zeitfenster-Tickets für Dezember 2025 können über den Online-Ticketshop gebucht werden.

  • Tickets für den Zeitraum ab Januar 2026 sowie weitere Details werden in Kürze bekannt gegeben.

  • Die Besucherzahl ist pro Zeitfenster auf etwa zehn Personen begrenzt, um ein intensives Licht- und Raumerlebnis zu ermöglichen.

  • An jedem ersten Mittwoch im Monat haben Besucher:innen die Möglichkeit, an den Vormittagen ein kostenfreies Zeitfenster zu buchen. 

analog zu den Öffnungszeiten des Museums KohleWelt:

  • Montag: Ruhetag (außer an bundesweiten Feiertagen)
  • Dienstag bis Sonntag: 10:00 - 17:00 Uhr
  • geschlossen am 24. und 31. Dezember

  • Aufgrund anhaltender Arbeiten an der Liftanlage ist das Kunstwerk vorerst nicht vollständig barrierefrei zugänglich. Nach Fertigstellung ist ein barrierefreier Zugang zum Kunstwerk gewährleistet.
  • Am Ende des Ausstellungsraumes befindet sich eine nicht optisch gekennzeichnete Absturzkante, die je nach Licht- und Sichtverhältnissen schwer wahrnehmbar ist.
  • Das Betreten des Kunstwerks mit Gehhilfen ist nicht gestattet. Auf Wunsch können Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität einen Rollstuhl ausleihen. Für Rollstühle und Rollatoren stehen Überzieher zur Verfügung, um den Boden des Kunstwerks zu schützen. Ohne diese dürfen Rollstühle und Rollatoren nicht mit in das Kunstwerk genommen werden.
  • Die Lichtinstallation enthält Stroboskopeffekte, die bei bestimmten Blitzfrequenzen epileptische Anfälle auslösen können. Epileptiker oder Epilepsiegefährdete sollten den stroboskopischen Ausleuchtbereichen fernbleiben.
  • Weitere Informationen zur Barrierefreiheit finden sich in der Haus- und Besucherordnung:

zur Haus- und Besucherordnung der Stadtverwaltung Oelsnitz/Erzgeb.

KohleWelt – Museum Steinkohlenbergbau Sachsen
Pflockenstr. 28
09376 Oelsnitz/Erzgeb.

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Einmaliges Erlebnis

Wer „Beyond Horizons 2025“ betritt, wird Teil des Lichts. Um die Intensität des Empfindens zu gewährleisten, ist die Besucherzahl pro Zeitfenster auf ca. zehn Personen begrenzt. In einer schattenlosen Umgebung löst sich das Gefühl von Zeit und Raum auf – still, intensiv, unvergesslich. Das Werk ist in Sachsen und Deutschland einmalig - aufgrund seiner Größe wie auch in Kombination mit der imposanten umgestalteten Industriehalle als Ausstellungsort.

Das Ganzfeld "Beyond Horizons 2025"

James Turrells Werktypus “Ganzfeld” bezeichnet immersive Lichtinstallationen, in denen durch homogenes, farbiges Licht und das Fehlen visueller Grenzen eine vollständige Auflösung räumlicher Orientierung entsteht. Der Begriff „Ganzfeld“ (deutsch: «Ganzfeld» oder «Ganzes Feld») stammt aus der Wahrnehmungspsychologie und beschreibt einen Zustand, in dem das Auge keine Unterschiede oder Tiefeninformationen mehr wahrnimmt. Turrell nutzt dieses Prinzip, um das Sehen selbst als sinnliches und meditatives Erlebnis erfahrbar zu machen und die Wahrnehmung von Licht und Raum grundlegend zu verändern.

Licht trifft Industriekultur

Die begehbare Lichtinstallation steht auf dem Gelände des ehemaligen Karl-Liebknecht-Schachtes in der Halle 18. Die dafür vom Büro H2 ARCHITEKTUR by hendrik heine aus Lichtenstein umgestaltete, dreischiffige Industriehalle steht für eine völlig neue Form der Denkmalpflege: Das historische Stahlskelett abgetragen, restauriert und samt Kranbahn neu aufgerichtet. Das restaurierte Stahlskelett umschließt nun Turrells faszinierende Lichtwelt – ein Raum, in dem Farbe, Raum und Wahrnehmung ineinanderfließen.

Mit freundlicher Unterstüzung der Sparkassen-Finanzgruppe und Volksbank Chemnitz eG

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